Yuh: Auf dem Weg zur eierlegenden Wollmilchsau unter den Finanzapps?

Yuh vereint Zahlen, Sparen und Investieren in einer App und bietet damit Funktionalitäten wie kaum eine andere App. Wir haben Yuh genauer angeschaut.
Yuh ist eine Kooperation der beiden Schweizer Branchengrössen Postfinance und Swissquote. Bestehende Postfinance- und Swissquote-Kund:innen profitieren denn auch von einer vereinfachten Registration. Für alle anderen geht die Registration ebenfalls zügig. Wenige Tage nach der Anmeldung bekommt man eine schicke schwarze Mastercard zugestellt.
Etwas Positives gleich zum Start: Yuh lässt sich kostenlos nutzen.

Zahlen
Das «Zahlen» mit Yuh dürfte im Alltag die wichtigste Funktionalität sein. Die Unterscheidung von «Startseite» und «Zahlen» ist aber auch nach Monaten der Nutzung nicht ganz intuitiv: So werden auf der Startseite alle Transaktionen und das Gesamtvermögen angezeigt, das für Zahlungen verfügbare Guthaben ist allerdings nur unter «Zahlen» sichtbar. Und erst kürzlich getätigte Zahlungen werden auf der Startseite hinter dem Button «Ausstehend» versteckt. Das ist nur bedingt nutzerfreundlich oder zumindest gewöhnungsbedürftig.
Fehlte das Zahlen per Apple Pay / Google Pay / Samsung Pay noch zu Beginn, sind diese nun zum Glück verfügbar.
Mit jeder Nutzung der Karte werden Dir übrigens zwei Swissqoins (SWQ) gutgeschrieben (ebenfalls sichtbar in der Transaktionsliste auf der Startseite).
Mehr zu den Swissqoins weiter unten.

Yuh bietet ein Multiwährungskonto an. So kannst Du nebst Schweizer Franken elf weitere Währungen halten. Praktisch für alle, die viel in der Welt unterwegs sind. Die aktuellen Kontostände der einzelnen Währungen werden unter «Zahlen» ausgewiesen. Hier lassen sich auch Währungen leicht wechseln.
Unter «Zahlen» findet man die Möglichkeit Banküberweisungen (Schweiz und Ausland) zu tätigen und Daueraufträge einzurichten. Selbstverständlich mit Scan-Funktion für QR-Code-Rechnungen. Und auch Peer-To-Peer Zahlungen an Freunde, die Yuh nutzen, sind möglich.
Sparen
In Yuh lassen sich sehr einfach Projekte einrichten für die man sparen möchte. Aktiviert man «Automatisches Sparen» kann man seinen Überweisungsplan festlegen. Zur Auswahl stehen: Jeden Tag, jede Woche und jeder Tag.
Nice: Yuh zeigt gleich an, wann - wenn alles gut läuft - das Sparziel erreicht sein wird. In der Übersicht selbst wird der Sparfortschritt mit einem Kreis dem aktuellen Fortschritt in % angezeigt. Eine «Aufrunden und Sparen Funktion» wie es Revolut anbietet, fehlt leider.

Es gibt wieder Zinsen
Diesen Spätsommer hat Yuh als eine der ersten Banken die Wiedereinführung von Zinsen (positiven wohlgemerkt) angekündigt. Unabhängig davon ob das Geld bei «Sparen» oder «Zahlen» abgelegt ist. Und zwar 0,25% bis zu einem maximalen Vermögen von 25'000 Franken. Nach der langen Minuszins-Periode tönt das besser als es tatsächlich ist: So sind 0.25% von 25'000 Franken gerade mal 62.50 Franken.
Investieren
Mit Yuh lässt sich in Aktien, ETFs und in Kryptowährungen investieren. Die Auswahl an Investments ist aber beschränkt: Derzeit sind 275 Aktien, 37 ETF und 34 Kryptowährungen gelistet. Für den Schweizer Aktienmarkt sind 58 Titel aufgelistet, alle SMI-Titel sind dabei.
Für Profis dürfte das Angebot zu beschränkt sein, alle anderen finden wohl genügend spannende Aktientitel. Die vollständige Liste der möglichen Anlageprodukte gibt's hier als PDF.
Positiv zu werten ist, dass Yuh auch «Fractional Trading» anbietet. So ist es möglich auch von teuren Aktien Bruchteile zu erwerben. Dies ist ab Beträgen von nur 25 Franken möglich.

Auch in Kryptowährungen lässt sich via Yuh investieren. Auch hier ist der Mindestbetrag bei 25 USD angesetzt. Anders als bei den Aktien muss immer der gewünschte Betrag in der jeweiligen Kryptowährung eingegeben werden. Die Eingabe eines Betrags in einer «normalen» Währung wie dem Schweizer Franken ist nicht möglich. Das ist etwas mühsam.
An diese Stelle muss betont werden, dass sich gekaufte Kryptowährungen nicht aus der Yuh-App an eine eigene Wallet schicken lassen. Für Krypto-Puristen definitiv ein No-Go.

Swissqoins: WTF?
Der Swissqoin ist ein Yuh-eigener Krypto-Token: Für eine Zahlung mit der Yuh-Mastercard gibt's zwei SWQ und für einen Trade deren zehn. Für eine Weiterempfehlung werden einem sogar 500 SWQ gutgeschrieben, sobald 500 Franken auf's das neue Konto einbezahlt wurden.
Swissqoins können jederzeit verkauft und in Schweizer Franken umgewandelt werden. Der Wert eines SWQ schwankt und beträgt per 15. September 2022 0.01159865 CHF. Oder anders gerechnet: 1 Franken entsprechen 43 Kartennutzungen à 2 SWQ. Nur mit der Nutzung der Karte kommt also nicht weit. Letztlich ist der Swissqoin ein nett verpacktes Bonusprogramm.
Das Fazit zum Schluss
Die App ist sorgfältig gestaltet (mal abgesehen von der erwähnten Startseite / Zahlen Problematik) und mit dem in pastelligen hellblau-violett-orangen Farbtönen gehaltenem Design verfügt die App auch über eine eigenständige Identität, die sich von anderen langweiliger gestalteten Mitwerbern wohltuend abhebt.
Die Yuh-App bietet alles in allem ein sehr attraktives 3-in-1 Package, insbesondere da keine monatlichen Gebühren anfallen. Da müssen sich wohl einige Neo-Banken warm anziehen.
Und bald sollen TWINT, eine Säule 3a, ein Jugendkonto und virtuelle Debitkarten dazukommen. Sind diese Funktionen einmal implementiert sind, bietet Yuh ein sehr umfassendes und schwer zu toppendes Angebot.
Insbesondere die Postfinance wird sich mit Yuh eigene Kund:innen abjagen. Für Swissquote trifft das weniger zu. Für die Postfinance gilt wohl das Motto «it’s better to disrupt yourself than being disrupted by a competitor».